Manuskript Mexiko Reise Reisebericht

Ohne Zahn in Yucatan

Der folgende Text ist der erste Teil meines Manuskripts, dass ich hier teilweise veröffentlichen werde. Ich hoffe er gefällt euch. Über Kommentare und Kritik freue ich mich sehr!

…Nach 9 Monaten und einigen Tausend Kilometern musste es wohl doch passieren. Ich bin im Amazonas geschwommen, habe auf exotischen Märkten noch exotischere Gerichte gegessen und bin von meterhohen Schluchten in wilde Gewässer gesprungen. „No risk no fun“ ist das Motto, vor allem, wenn man um den halben Globus gereist ist, will man ja alles ausprobieren und sich nicht im Anschluss ärgern, etwas ausgelassen zu haben. Allerdings ist dann doch etwas passiert, natürlich in einem Moment, in dem man es am wenigsten erwartet hätte.

Paradisisch, die Lagune Bacalar unweit von Calakmul

Die Halbinsel Yucatan ist für ihre unzähligen Cenoten bekannt. Cenoten sind mit Süßwasser gefüllte Kalksteinlöcher, die durch den Einsturz von Höhlendecken entstanden sind. Manche Cenoten sind auch komplett unterirdisch. Für die Maya haben Cenoten eine große religiöse Bedeutung, da die Cenoten den Zugang zu der „Unterwelt“ ermöglichen. Viele Artefakte und Skelete wurde in der Vergangenheit in den Cenoten gefunden, die wahrscheinlich auch extrem wichtig für die Wasserversorgung, bei der sich entwickelnden Maya Kultur waren.

Heutzutage bieten Cenoten den immer größer werdenden Touristen strömen Abwechslung zu den Traumstränden Yucatans. Allerdings sollte man wissen, dass einige Cenoten extrem überlaufen sind, vor allem in der Nähe von Cancun und Playa del Carmen.

Nachdem spektakulären Besuch der Maya-Stätte Calakmul mit den unzähligen Pyramiden wollen wir über Champotón und Campeche nach Mérida reisen. Das ist eine Strecke von über 400km und wir gehen davon aus, dass wir irgendwo zwischen Campeche und Mérida übernachten werden. Wie schnell wir allerdings in Mérida aufkreuzen würden, hätten wir zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht.

Einer der vielen Pfaus, die den Weg nach Calakmul „bewachen“

Wir brechen also auf, und unseren ersten Stopp wollen wir an einer Cenote machen, die uns unser Tourguide in Calakmul empfohlen hat. Die Cenote scheint unbekannter, aber recht groß und beliebt unter den Einheimischen zu sein, daher wollen wir uns auf jeden Fall diese Abkühlung nicht entgehen lassen. Nach knapp ein halbes Stunden verlassen wir die Hauptstraße und fahren ein Feld entlang, die asphaltierte Straße besteht nur noch aus trockener Erde, mit teils großen Schlaglöchern. So fahren wir mindestens 15 Minuten den Weg entlang und fragen uns, ob wir tatsächlich richtig sind. Plötzlich taucht wie aus dem nichts ein Dorf auf. Vor uns befindet sich reges Treiben. Menschen laufen kreuz und quer, genauso wie Esel und Hühner. Wir schlängeln und langsam durch Menschen und werden dabei mit großen Augen angestarrt. Schließlich frage ich eine Frau, ob es hier irgendwo tatsächliche eine Cenote gebe. Zu unserer Beruhigung erfahren wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sich unser Ziel hinter dem Dorf befindet.

Wie erwartet sind wir anscheinend die einzigen Touristen an diesem Tag, da kein anderes Auto vor der Cenote parkt. Einige Männer, die am Eingang stehen, schauen neugierig herüber, während wir uns am Mietwagen mit Badehose und Taucherbrille ausstatten. Am Eingang werden wir freundlich begrüßt und uns erklärt, wie das ganze Gelände aufgebaut ist. Neben der gr0ßen offenen Cenote gibt es einige Aussichtspunkte und weitere Wasserstellen zum Baden. „Ein Guide wird uns durch das Gelände führen, bis er ankommt können wir aber schon in der großen Cenote baden gehen“.

Die Cenote erinnert an einen großen See, der komplett von einer riesigen Felswand, die mindestens 20m hoch ist, umgeben ist. Wir lauen ein steiler und rutschiger Weg hinab, bis zu einem meterlangen Steg. Ich ziehe meine Latschen aus, laufe den Steg entlang und springe in das Wasser. Die Idylle und Ruhe ist für eine Moment verschwunden. Mein Bruder braucht einige Zeit und Überwindung, bis er mir Gesellschaft leistet. Mittlerweile haben sich auch noch zwei weitere Touristen in den abgelegenen Ort verirrt. Wir genießen das kühle Wasser, dass eine willkommene Abwechslung zu der ständig schwülen und warmen Luft bietet. Die Cenote hat einen Durchmesser von mindestens 50m, und wie es so ist, wollen wir auf dieser Strecke testen, wer der schnellere Schwimmer von uns beiden ist. Vom Steg bis zur gegenüberliegend Felswand ist es ein knappes Kopf an Kopf rennen. Allerdings merke ich irgendwann beim auftauchen, dass ich komplett von der Zielrichtung abgekommen. Ich muss meine Richtung korrigieren und komme dann doch noch mit einem guten Tempo an. Da im Wasser an der Felswand einige kleine Insekten über das Wasser laufen, entschließen wir uns wieder zu anderen Seite zu schwimmen, und zwar wieder im Wettbewerb. Dieses Mal will ich meinen Körper auf den höchsten Gang bringen und kraule konzentriert und zügig in Richtung des Stegs. Die Konzentration und Genauigkeit lassen auf der langen Strecke nach, die Kraft aber nicht. Ich drehe mich einige Meter vor dem Steg um und sehe, dass ich klar in Führung liege. Die letzten Meter zum Steg bringe ich mit einigen weiteren kraftvollen Zügen hinter mich. Dann lege ich meine Hände auf den Steg, und drücke mich mit einer genauso kraftvollen Bewegung aus dem Wasser.

Schwimmen in einer mystischen Cenote

Einen Moment später stehe ich auf dem Steg. Aber irgendwas stimmt nicht. Ich habe einen lauten dumpfen Knall vernommen und einen genauso dumpfen Schlag. Es ging alles so schnell. Adrenalin in einer extrem hohen Dosis pumpt durch meine gesamten Körper. Meine Muskeln sind auf das Extremste angespannt. Dann spüre ich es. Während ich mit meiner Zunge über meinen vorderen Schneidezahn fahre, gibt es keinen Zweifel mehr. Irgendwie, ich weiß bis heute noch nicht genau wie das passieren konnte, habe ich mir den linken vorderen Schneidezahn rausgeschlagen. Entsetzt schaue ich auf den Steg und finde eine große, mit einem klinisch graden Bruch entstellte Zahnhälfte. Ich rufe meinen Bruder, der panisch aus dem Wasser springt und mich zum Ausgang bringen will, während ich mich erstmal an den Rand des Steges setze. Meine Beine taumeln im Wasser und ich nehme erst einmal einige große und Tiefe Atemzüge…

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