Bahia Brasilien Manuskript Salvador

Werkstatt der Wunder

Der folgende Text ist der erste Teil meines Manuskripts, dass ich hier teilweise veröffentlichen werde. Ich hoffe er gefällt euch. Über Kommentare und Kritik freue ich mich sehr!

Drei Jahre vor meiner Abreise viel mir das Buch „Werkstatt der Wunder“ von Jorge Amado in die Hände. Zu der Zeit habe ich wenig gelesen und war auf der Suche nach einem guten Roman. Ich wollte etwas Untypisches lesen, es sollte aber eine gute Geschichte über den Alltag des Protagonisten sein. Die Story sollte in einem anderen Land, in einer anderen Kultur spielen. Mein Ziel war es, in eine andere Welt einzutauchen, gut unterhalten zu werden und etwas dazuzulernen. Nach einer längeren abendlichen Recherche, irgendwann hatte ich gefühlt ein Dutzend Tabs geöffnet, stieß ich auf einer Seite mit Empfehlungen zu lateinamerikanischen Büchern. Aus irgendeinem Grund, an den ich mich aber nicht mehr erinnern kann, entschied ich mich sehr schnell für das Buch „Werkstatt der Wunder“ und beendete die erschöpfende Suche. Nach kurzer Suche fand ich ein gebrauchtes Exemplar und sah mit Vorfreude dem Lesen der ersten Seiten entgegen.

Ich brauchte einige Zeit, um in die Geschichte reinzukommen. Einiges war befremdlich und nicht direkt verständlich, trotz der bunten und ausdrucksstarken Beschreibungen vom Autor Jorge Amado. Auch werden viele Begriffe verwendet, die mir unbekannt waren, aber heute bestens vertraut sind. In dem Buch geht es um einen verkannten Gelehrten namens Pedro Archanjo, der zu seinem 100. Geburtstag geehrt werden soll. Allerdings werden die Feierlichkeiten erst initiiert, als ein berühmter Amerikaner schwärmend von Pedro erzählt. In seiner Heimat Brasilien, Pedro stammt aus Salvador da Bahia, wurden seine Leistungen als Gelehrter, Schriftsteller und Dichter zu seinen Lebzeiten nicht beachtet, geschweige denn geehrt. Der Grund dafür war der Rassismus, der nach wie vor das Leben vieler Menschen in Brasilien bestimmt und tief in vielen Teilen der Gesellschaft verwurzelt ist. Für mich war es interessant zu erfahren, wie Pedro mit dieser Situation umgeht, aber vor allem auch die Lebensfreude, die er und seine Gemeinschaft ausstrahlen. Zudem ist das Ganze mit einem ausgezeichneten Humor beschrieben.

Besonders interessant waren für mich die Stellen, in denen Elemente der afrobrasilianische Religion Candomble beschrieben wurde. Magische Rhythmen, gespielt auf drei Trommeln, führen Leute in Trance, wodurch die Körper dieser Menschen von Göttern besetzt werden und diese tanzend mit der Gemeinde kommunizieren und Energie auf die Anwesenden ausstrahlen. Damals habe ich die Zusammenhänge und Begriffe noch nicht gekannt und somit nicht alles verstanden, trotzdem hat dies eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt.

(Bei den weiter oben als unbekannt bezeichneten Begriffen, handelt es sich gerade um Begriffe aus dem Candomble.) Erst viel später, als ich mich mit kubanischen Tänzen (viele Tänze verwenden Elemente der Zeremonien der kubanischen Religion Santería). auseinandergesetzt habe, konnte ich einige Verbindungen zum Candomble herstellen. So haben einige Götter in den beiden Religionen ähnliche Namen. Auf jeden Fall soll hier festgehalten werden, dass ich von Candomble aus dem Buch erfahren habe und unbedingt mehr darüber erfahren wollte. Immer wieder beschäftigte ich mich sporadisch mit dem Thema. Meine To-Do- Liste wurde folglich um einen Punkt erweitert: „Besuch einer Candomble- Zeremonie“.

Es kam sogar soweit, dass ich mir einen Kurs raussuchte, in dem ich die Rhytmen des Candomble lernen könnte. Es versteht sich, dass ich nach einem Kurs in Salvador da Bahia gesucht habe. Nach erstaunlich kurzer Suche bin ich auf eine einfache Internetseite gestoßen, auf der ein sympathisch-aussehender Musiklehrer Einzel- oder Gruppenstunden insbesondere im Bereich Candomble anbot. Ich speicherte seine Kontaktdaten und nahm mir fest vor, irgendwann mal (wann auch immer das sein sollte, bisher hatte ich ja keinen weiteren Plan), wenn ich in Brasilien sein sollte, diesen Musiklehrer namens Bira aufzusuchen und einige Unterrichtsstunden bei ihm zu nehmen. Wer hätte ahnen können, das Bira einer der gefragtesten Perkussionisten in Salvador und Candomble ist und auch noch ein sehr guter Freund wurde?

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