Amazonas Brasilien Regenwald

Rio Negro – Die schwarze Schönheit

Einer der vielen Strände im Nationalpark Anavilhanas

Nach knapp 4 Wochen im Amazonas denke ich schon viel gesehen zu haben und dass mich nichts mehr sooo schnell beeindruckt. Ich habe die exotischen Märkte in Belém gesehen, auf der Insel Ilha do Marajó war ich schwimmen an den endloslangen Stränden des Amazonas-Mündungsbereich, am Rio Tapajós habe ich einige Tage in einer indigenen Community verbracht und das erste Mal in freier Wildnis im Urwald übernachtet.

Und nach weiteren anstregenden, aber lohnenswerten Tagen in der Hängematte in einem Amazonasdampfer, bin ich etwas ausgelaugt und müde, obwohl ich endlich in Manaus bin.

Novo Airāo – Das Tor zum rio Negro

Meine Motivation und Energie steigt aber blitzartig an, als ich den Rio Negro erblicke. Durch einen wertvollen Tipp reisen wir von Manaus mit dem Bus nach Novo Airão und entscheiden uns so nicht für die typischen touristischen Ziele. Novo Airaõ liegt 4 Autostunden von Manaus entfernt, bzw. 80km stromaufwärts des Rio Negros. Die Stadt ist der beste Ausgangsort, um den Rio Negro kennenzulernen und tief in die Natur einzutauchen.

Erst seit Anfang des Jahres 2000 existiert ein Landweg nach Novo Airaõ, dazu wurde eine Schneise in den dichten Regenwald gehauen. Umso näher wir der Stadt kommen, umso mehr fühle ich mich wie in einem Flugzeug bei heftigen Turbulenzen, da die Straße die letzten Kilometer nicht mehr aspahltiert ist und die Schlaglöcher immer größer werden.

Super-size Me

Schon hier auf dem Weg wird eines deutlich: DIe Pflanzenwelt scheint sich am Rio Negro doch von der Natur zu unterscheiden, die ich bisher im Amazonas-Regenwald gesehen habe. Die Pflanzen, Bäume und Früchte, die ich auf dem ersten Abschnitt meiner Reise mit dem Größenmerkmal XXL ausgezeichnet hätte, erscheinen hier am Rio Negro höchstens Mittelmaß zu sein. Dies gilt leider auch für die Insekten 😉

Riesen-Vogelspinne

Crocodile Hunter 2.0

In Novo Airaõ habe ich das Glück, in der Pousada einer netten Familie unterzukommen. Die Vermieterin Claudia und ihre Mutter sprechen sogar deutsch – die Vorfahren sind nach Brasilien ausgewandert und haben zuerst im Süden des Landes gelebt, wo es viele deutschstämmige Menschen gibt. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Biologen zog es Claudias Eltern in den Amazonas. Über Claudia lerne ich Valmir kennen. Valmir ist im abgeschiedenen Nationalpark Jaú aufgewachsen. Heute leitet er Überlebenstrainings für das Militär und außerdem führt er ab und an Touristen durch die Nationalparks Anavilhanas und Jaú. Er ist ein Experte im Amazonas und kennt die heilende oder auch tödliche Wirkung jeder Pflanze. Er wurde sogar schon öfters von der Tocandera gebissen, dem Insekt mit dem schmerzhaftesten Biss der Welt. Als Schutz vor Moskitos verreibt er Ameisen auf seiner Haut, wodurch ein schützender Geruch entsteht. Wir verstehen uns auf anhieb sehr gut, und ich bin sehr dankbar ihn kennengelernt zu haben.

Mit Valmir entscheide ich mich zuerst nur für eine Tagestour. Es geht in den Nationalpark Anavilhanas. Einen Bericht zu diesem Ausflug findest du hier: https://www.aventoura.de/blog/erlebnis-im-nationalpark-anavilhanas/

(K)eine schwierige Entscheidung

Der Rio Negro erscheint wie eine riesiger Spiegel durch seine dunkle Farbe und die detailierte Reflektion der Umgebung. Ich bin so beeindruckt von der Natur und der Atmosphäre im Nationalpark Anavilhanas, dass Valmir mir nahelegt, mit ihm unbedingt den Nationpark Jaú zu besuchen. „Ich würde es auf keinen Fall bereuen.“ Im Park Jaú hat man die Chance noch mehr Tiere zu sehen, aufgrund der Abgeschiedenheit ist die Natur dort gänzlich unberührt.

Ich zögere, denn Valmir hätte erst knapp eine Woche später wieder Zeit. Ich müsste also von Novo Airaõ nach Manaus zurückkehren, dort einige Tage verbringen und dann wieder die 4 stündige Busfahrt nach Novo Airaõ auf mich nehmen. In Novo Airaõ zu bleiben ist keine Alternative, da man dort nicht so viel machen kann. Günstig ist der Ausflug in den Park Jaú auch nicht. Denn das Gebiet liegt weitere 100km stromaufwärts und kann nur mit einer 5 stündigen Bootsfahrt erreicht werden. Trinkwasser, Proviant und Kochutensilien für die 3 Tage, so wie der gesamte Sprit müssen mitgenommen werden. Natürlich auch die Hängematten, Planen usw. mit denen mitten in der Wildnis das Nachtlager aufgeschlagen wird.

Ich überlege und zum Glück wird mir schnell klar, dass ich die „Strapazen“ auf mich nehmen sollte. Ich bin jetzt hier, und sollte gerade jetzt solch eine Möglichkeit nutzen. Wer weiß wann und ob ich jemals wieder die Gelegenheit zu diesem Erlebenis haben werde. Es zählt das jetzt.

Außerdem bin ich mir sicher, mit Valmir eine gute Zeit haben zu werden. So professionel er auch ist, er ist trotzdem für jeden Spaß zu haben und freut sich selbst riesig über alles was wir sehen und erleben.

Er ist auch der erste, der sich eine Liliane schnappt um einen Baum zu besteigen und wie Tarzan durch die Lüfte zu schweben. Wo er mir rät, unbedingt mit festen Schuhe zu laufen, wandert er locker mit seinen Flip-Flops. Überschwemmtes Gebiet passiert er abenteurlustig mit seinem Motorboot und macht uns dabei mit seiner Machete den Weg frei. Unüberwindbare scheinende Stromschnellen nimmt er mit seinem Motorboot trotzdem in Angriff. Wo wir tagsüber nach Piranha angeln, geht er abends schwimmen – man könnte also auch sagen der Chuck Norris des Amazonas 😉 (Achja, und wenn er Durst hat, hält er einfach seinen Becher in das Wasser des Rio Negros 🙂 🙂 🙂 )

In dem nächsten Bericht geht es um die Tour in den Nationalpark Jaú, wo wir in der freien Wildnis eine große Anakonda endecken, nicht weit entfernt von einem Fluss, in dem wir vorher schwimmen waren.

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